November: Der Winter naht…

Zeit für Prossholz und Topinambur

Obwohl es bei unserem letzten Waldspaziergang mit 15°C noch sehr mild war und sich die Fraktion der Pilze im November deshalb nochmals zur massenhaften Reproduktion verabredet hatte, sind die Vorboten des Winters doch deutlich zu sehen.

 

Die Farbenpracht des herbstlichen Laubes hat sich nun zu großen Teilen auf den Waldboden verlagert, was seinen eigenen Reiz hat und gleichzeitig den Blick ins Waldesinnere freigibt, der noch vor drei Wochen durch dichtes Blätterwerk versperrt war. Es ist feucht, die Luft riecht würzig nach allerhand ätherischen Nadelholz- und anderen Aromen, aber an manchen Stellen auch nach der berühmten "Maggi-Fährte" ;-), dem charakteristischen Geruch der Wildschweine, die auf der Suche nach Eicheln und den leckeren Maronen den Boden aufbrechen.

Wenn diese natürliche Äsung zur Neige geht, spielt das "Futter mit der Axt" – das Prossholz, eine wichtige Rolle auf dem Speiseplan unserer Wildtiere. Die im Spätherbst geschnittenen Obstbäume und andere Weichhölzer wie Weide oder Zitterpappel (Espe) liefern Äste, deren Rinde, junge Zweige und Knospen gerne in den nahrungsarmen Zeiten von vielen Tieren angenommen werden.

Ein weiterer Leckerbissen nicht nur für das Wild, die Wurzel des Topinambur, kann nun geerntet werden. Die "Indianerknolle" kam im 17. Jahrhundert aus Nordamerika zu uns und wurde später vom "Erdapfel", der Kartoffel nahezu verdrängt. Dabei sind die Knollen der bis zu drei Meter hohen Staude, deren Blüten der Sonnenblume ähneln (mit der sie auch verwandt ist) ausgesprochen gesund: Sie enthalten Inulin, einen Mehrfachzucker, der aber nicht verdaut werden kann und deshalb als Ballaststoff die gesunde Darmfunktion unterstützt und die Blutfette senkt. Die geschmacklich nussige, süßliche Knolle ist kalorienarmes Süßungsmittel, Präbiotikum (begünstigt die Ansiedlung gesunder Darmbakterien) und Geheimtipp für viele leckere Rezepte. Bitte nicht verwechseln mit der Batate, der Süßkartoffel, die botanisch zu den Windengewächsen gehört.

Naturheilkundlich gibt es eine lange Liste von Einsatzgebieten. Durch den hohen Mineralstoff-, Spurenelement- und Vitamingehalt sowie den Polyphenolen, welche durch antimikrobielle und antioxidative Eigenschaften die Pflanze vor Feinden und Umwelteinflüssen schützen, kann das Wurzelgemüse unter anderem bei Magen-Darm und Leber-Galle Störungen helfen.

Für Wühlmäuse, Kaninchen, die Bisamratte (welche übrigens keine Ratte, sondern die größte Wühlmausart ist) und natürlich unser Schwarzwild, ist das Rhizom des Topinambur willkommene Winteräsung, da es im Gegensatz zur Kartoffel Frost gut verträgt und daher bis zum Frühjahr geerntet bzw. ausgegraben werden kann.

Danach werden die dicht wuchernden oberirdischen Stängel und das Kraut oftmals gern von unserem Schalenwild angenommen und die Rehkitze darin abgelegt bis die Pflanzen sich dann erst im Spätsommer, wenn die Tage kürzer werden, in ein herrliches, gelbes Blütenmeer verwandeln und eine hervorragende, späte Bienenweide darstellen.

Es ist die Zeit der Wurzelgemüse. Nicht nur Bushcrafter und Survival Experten wissen, dass die beste pflanzliche Nahrung im Winter unter der Erde wartet. Die Wurzeln von Nachtkerze, Löwenzahn, Rohrkolben, Knoblauchrauke, Großer Klette, Meerrettich, Malve, Engelwurz, Beinwell und vielen anderen sind nicht nur essbar, sondern auch ausgesprochen gesund und werden z.T. seit Jahrhunderten medizinisch genutzt. Bitte beim Sammeln aufpassen: teilweise sind Pflanzen geschützt oder können mit Giftigen verwechselt werden! Nicht alles was schön aussieht ist auch genießbar.

Pfaffenhütchen
Pfaffenhütchen

Am hübschen Pfaffenhütchen von unserem Novemberspaziergang sind alle Pflanzenteile giftig. Aber hier besteht kaum Verwechselungsgefahr. Gefährlicher wird es bei Beinwell und Fingerhut oder Engelwurz und Schierling! Bitte Vorsicht! Selbst bei der Schafgarbe, die jetzt noch hier und da steht, und einen heilsamen Tee abgibt sollte man sich auskennen.

Neben den Wurzeln stehen die Samen z.B. von der Brennnessel, welche inzwischen vielfach als Superfood bezeichnet werden und die der Wilden Möhre nun zur Verfügung. Die Brennnesselsamen sind leicht durch Abstreifen zu ernten und können frisch oder nach dem Trocknen, pur oder als Vitalstoffbombe im Smoothie oder Salat genossen werden.

Karottensamen der Wilden Möhre
Karottensamen der Wilden Möhre

Aus den Karottensamen der Wilden Möhre, die ein Vorfahre unserer heutigen Karotte ist, kann eine ausgezeichnete Premium-Natur-Hautpflege-Creme mit dem ätherischen Öl hergestellt werden.

 

Wer keine Destille sein Eigen nennt, kann wenige Milliliter des ätherischen Öles erwerben um die eigene Bio-Hautregeneration (auch zur Narbenpflege) herzustellen. Siehe Rezept, Vergrößerung per Klick!

Was tut sich sonst im Wald?

Die Vögel werden stiller denn der Gesang dient der Balz und der Reviermarkierung. Jetzt aber geht es aufgeplustert ums Überleben. Da ist jede unnötige Anstrengung zu vermeiden. Auch der Stoffwechsel der großen Säugetiere wie Rotwild und Reh stellt sich um. Energiesparen ist angesagt. Die Fettreserven sind nun angefressen. Die Aktivitäten werden reduziert, die Mägen verkleinern sich, der Stoffwechsel und die Herzfrequenz sinken.

Das passiert übrigens auch wenn es eigentlich zu warm ist, da dies hormonell über die Tageslichtdauer gesteuert wird. Diese Strategien der Natur sichern den meisten Wildtieren das Überleben bei Kälte mit wenig Nahrung solange sie nicht durch den Menschen oder neuerdings durch den Wolf gestört werden. Jede Störung kann hier unnötige Fluchten mit exorbitantem Energieverbrauch verursachen die in der Folge nicht selten tödlich enden.

Doch nicht alle haben sich verkrochen oder ihre Aktivitäten auf ein Minimum beschränkt.

Manche kommen als Wintergäste gerade erst an wie die Wacholderdrossel, der Bergfink die Nonnengans und Co.

Andere wie z.B. der Graureiher sind hier bei uns am Rhein Standvögel und bleiben einfach wo sie sind. Sie bevorzugen Fische und sind deshalb oft an fließenden Gewässern zu finden. Man sieht die anpassungsfähigen großen Schreitvögel mit einer Flügelspannweite von bis zu 2 Metern besonders im Winter auf Feldern und Wiesen bei der Jagd auf Mäuse. Im Flug sind sie leicht am s-förmig gekrümmten Hals zu erkennen im Gegensatz zu Kranich oder Storch die mit ausgestrecktem Hals fliegen. Für einige beginnt die Zeit der Brautschau. Fuchs und Hase haben noch ein bisschen Zeit. Bei den Schwarzkitteln aber ist die Rausche, also die Paarungszeit, seit Ende Oktober in vollem Gange.

Milde Winter und ein ganzjähriges Äsungsangebot durch Landwirtschaft und aufeinander folgende Mastjahre der Bäume durch “Trockenheitsstress“ sorgen allerdings dafür, dass die Wildschweine sich inzwischen das ganze Jahr über vermehren. Die hohe Populationsdichte begünstigt Krankheiten wie z.B. die afrikanische Schweinepest und verursacht enorme Schäden nicht mehr nur in der Landwirtschaft, sondern inzwischen auch in Wohngebieten.

Um unsere grunzenden Freunde machen wir uns also keine Sorgen ;-)…

Dachs, Waschbär und Eichhörnchen haben sich zurückgezogen, halten aber keinen echten Winterschlaf und sind öfter außerhalb von Bau oder Kobel unterwegs. Fuchs und Marder jagen im dichten (begehrten) Winterfell weiter … und der Jäger auch :-) Beide müssen sich an das veränderte Verhalten der Beute und den Winter anpassen.

Wir sind gespannt auf die Wintermonate in Wald und Flur und werden berichten.

Horrido & Waidmannsheil, schützt und genießt die Natur!

 

Inga Hoffmann-Tischner und Robert Tischner

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