Oktober – goldener und farbenprächtiger Herbst

Die Natur bereitet sich auf die kalte Jahreszeit vor.

Die Blätter der Bäume werden bunt, da kein Chlorophyll mehr produziert wird: der „Indian Summer“ beginnt. Die Fichtenzapfen reifen um im Frühjahr mit den Samen am Start zu sein. Lärche und Kiefer sind etwas später dran.

Fliegenpilz
Fliegenpilz

Auch die Zeit der Pilze geht zu Ende. Pilz nennen wir nur den Fruchtstand des teilweise riesigen unterirdisch lebenden Myzels welches die dritte Kategorie von mehrzelligen Lebewesen neben Pflanzen und Tieren darstellt. Der größte lebende Organismus ist ein Hallimasch mit einer Ausdehnung von 900 Quadratkilometern und einem Myzel Gewicht von 600 Tonnen, welcher in den USA entdeckt wurde.

Unser Fliegenpilz, der gern an Fichten und Birken steht, ist zwar weniger imposant aber dafür viel mystischer. Er fehlt in keinem Märchen, ist ein Glückssymbol, wurde in früheren Kulturen von den Mayas bis zu den Germanen, als Rauschmittel, Medizin, Halluzinogen oder Speise, geraucht, gekaut getrunken oder gegessen. Das haben allerdings (auch im Tierreich) nicht alle überlebt.

Deshalb – lasst ihn stehen, denn er ist einfach magisch und herrlich anzuschauen :-)

 

Nun wird es Zeit die Wurzel der zweijährigen Baldrianpflanzen zu ernten, da alle Pflanzen nun ihre „Säfte“ dort konzentrieren. Es lassen sich Tinkturen, Tropfen oder Schnaps zur Beruhigung und allerlei weiteren Anwendungen zubereiten. Auch die Wurzeln von Mädesüß, Liebstöckel und Arnika* sind jetzt soweit.

 

*Achtung: besonders geschützt bzw. vom Aussterben bedroht!

 

Übrigens: Im Herbst und sogar an frostfreien Wintertagen ist die beste Zeit, um Gehölze zu pflanzen. Dann findet das stärkste Wurzelwachstum statt, da die oberirdischen Anteile ruhen.

Äpfel, Quitten, wilde Birnen (Achtung Dornen) sind jetzt reif. Die Früchte der Schlehe (Schwarzdorn) werden erst nach dem ersten Frost geerntet damit sie ihr typisches Aroma entfaltet können. Holunderbeerensaft oder Sirup ist schnell zubereitet und hilft in der Erkältungszeit gegen verschiedene Gruppen von Viren. Bitte wegen der Bekömmlichkeit über 80°C erhitzen. Überall leuchten saftige Hagebutten, die Früchte der Hundsrose. Man kann daraus nicht nur „Juckpulver“ herstellen :-)

 

Die meisten Zugvögel sind schon aufgebrochen. Alle die hierbleiben bereiten sich auf den Winter vor. Wechselwarme Tiere wie Reptilien, Fische, Amphibien oder Insekten ziehen sich langsam zurück oder sterben. Nur die Hornissenkönigin überlebt den Winter. Bei den Wespen verlassen viele junge, befruchtete Königinnen das Volk und versuchen frostgeschützt z.B. im Dachgebälk zu überleben. Der Rest des Volkes stirbt.

Die Bienen reduzieren die Anzahl der Individuen im Staat auf wenige tausend. Sommerbienen leben etwa einen Monat, Winterbienen über ein halbes Jahr. Jetzt kommt es darauf an den Stock auch bei Kälte auf 35°C zu halten damit die „Winterbienenbabys“ schlüpfen können um die Königin über den Winter zu bringen.

 

Nicht nur unsere Wälder verfärben sich. Auch unsere Wildtiere „verfärben“ nun: Der Haarwechsel ist in vollem Gange nach der Regel: Jung färbt vor Alt. Besitzt das Reh im Oktober noch das rote Sommerhaar ist es daher ein älteres Tier. Die graue, dichte Winterdecke besitzt hohle Haare zur besseren Isolation, ist aber dadurch schlecht zu verwenden da die Haare brechen. Beim Winterfuchs ist es umgekehrt, er gibt den wärmsten Pelz.

 

Im Oktober kann man im Wald Rehgehörne (Geweihstangen) finden. Diese dürfen nicht mitgenommen werden, da man sich ja nicht der Wilderei schuldig machen möchte. Nur der Jagdausübungsberechtigte darf sich Tiere, Abwurfstangen oder Eier vom Federwild aneignen.

Das Schwarzwild (Wildschweine) wird jetzt schwarz – wodurch es seinen Namen hat ;-)

Im Sommer ist es silbergrau.

 

Beim König der Wälder (der eigentlich ein Steppentier war bevor wir Menschen ihn in den Wald verdrängt haben), dem Rothirsch, ist die Brunft in vollem Gange.

Das geheimnisvolle Waldgespenst, der Feisthirsch, steht nun demonstrativ bei seinem Brunftrudel als majestätischer Platzhirsch.

Er schläft nur noch wenige Minuten am Tag und ist ständig damit beschäftigt sein Brunftrudel gegen Widersacher zu verteidigen und sich zu paaren. Er nimmt keine Nahrung mehr zu sich und verliert bis Ende Oktober bis zu einem Viertel von seinem Gewicht das bis zu 200 kg betragen kann.

Das Krachen der Geweihe ist kilometerweit zu hören, das Röhren der starken Hirsche vibriert im ganzen Körper wenn man das Glück hat in der Nähe zu stehen.

Wer einmal den Anblick eines Rothirsches hatte, im kalten Morgennebel vor der aufgehenden Herbstsonne, die den Wald in goldgelbes Licht taucht und sich glitzernd in seinen Atemschwaden bricht, der wird dieses Bild nicht mehr vergessen.

Horrido und Waidmannsheil, schützt und genießt die Natur!

Inga Hoffmann-Tischner und Robert Tischner


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